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  • AutorenbildManuel Schmerer

Hypnosystemische und systemische Therapie - eine mögliche Übersicht

Es ist nicht einfach, komplexe therapeutische Ansätze so kurz zusammenzufassen. Daher kann es sich bei meiner Ausführung hier nur um eine drastische Reduzierung des Themas handeln, dem sonst ganze Bücher gewidmet werden. Bitte verstehen Sie daher meine Ausführungen zu diesen Therapierichtungen als ein Herausgreifen und grobes Zusammenfassen einiger Aspekte davon. Denn ich finde es wichtig, Ihnen als Leser/in und möglicherweise als Therapie-Interessierte/n einige Anregungen anzubieten, worum es in dieser Art von Therapie geht.


Was ist systemische Therapie?

In der systemischen Therapie werden Menschen in ihrem gesamten Umfeld betrachtet. Das bedeutet, dass die "Probleme und Symptome" des Einzelnen nicht durch Schwächen oder Mängel der Person erklärt werden, sondern in ihrem gesamten Kontext betrachtet werden. Mit anderen Worten: Wenn Person X ein Problem Y hat, dann wird dies Auswirkungen in Beziehungen haben, die wiederum rückbezüglich Wirkung auf Person X und damit auch Problem Y haben (= Wechselwirkung). Diese Sicht führt oft dazu, dass viele (versteckte) Leistungen und Bedürfnisse der Person erkannt, gewürdigt und für eine stimmige Lösungsentwicklung berücksichtigt werden können. Ebenso geht man davon aus, dass alle Ressourcen für eine Lösungsentwicklung bereits in der Person vorhanden sind - eine Haltung, die oftmals stärkende Wirkung auf Selbstwert hat. Großer Wert wird dabei auf die individuellen Sichtweisen und Einstellungen des Menschen gelegt. Dies beinhaltet Respekt vor der Autonomie und Individualität eines Menschen und strebt eine Klient-Therapeut-Beziehung auf Augenhöhe an. Der Therapeut wird somit zum Wegbegleiter, der in achtungsvoller Kooperation mit dem Gegenüber Möglichkeiten entwickelt.


Was ist Hypnotherapie nach Milton Erickson?

Milton H. Erickson (1901 - 1980) war ein Vorreiter systemischen Denkens und Handels, noch bevor man es damals systemisch genannt hat. Seine Arbeit beeinflusste einige frühe Familientherapeuten, aus deren Arbeit das entstand, was wir heute systemische Therapie nennen. Ohne jetzt zu genau darauf einzugehen, was Hypnose genau ist (schauen Sie dazu gerne auf www.Hypnose.de vorbei), beschäftigt sich die Erickson'sche Hypnotherapie damit, wie Menschen sich, andere und ihre Umwelt wahrnehmen und verarbeiten - sozusagen wie inneres Erleben (Gedanken, Gefühle, Reaktionen, etc.) erzeugt wird. Um dann natürlich zu schauen, wie könnte dieses innere Erleben/Verarbeiten der Außenwelt verändert werden (bspw. gedrückte Stimmung, Unzufriedenheit) in Richtung eines gewünschten Erlebens (bspw. mehr Lebenszufriedenheit). Um ein Beispiel zu nennen, könnte man schauen, mithilfe welcher inneren Bilder könnte die betroffene Person die Kompetenzen und Erlebnismuster in sich aktivieren, um in das gewünschte Erleben zu kommen. Auch hier wird davon ausgegangen, dass die grundlegend notwendigen Kompetenzen und Ressourcen in der Person bereits vorhanden sind - auch wenn viele Menschen erstmal daran nicht glauben (können).


Hypno + Systemisch = Hypnosystemisch

Die Hypnosystemik nach Gunther Schmidt verbindet nun die kompetenzaktivierende Hypnotherapie mit lösungsorientierter, konstruktivistischer systemischer Therapie. Diese Verbindung habe ich persönlich als unheimlich bereichernd empfunden, seit ich davon 2016 etwa das erste Mal hörte und darüber lernte. Wie können die Kompetenzen, Fähigkeiten, Stärken, Ressourcen (= alle für ein Ziel hilfreichen Prozesse), die eine Person bereits mitbringt, genutzt werden für eine erfüllende Lebensgestaltung?!

Und dann: Wenn die Person es schafft, diese Kompetenzen, Ressourcen, etc. in sich zu aktivieren, welche Auswirkungen auf relevante Beziehungen hätte dies? Hier zeigt sich nicht selten, dass das Ausleben der eigenen Kompetenzen und möglicherweise das Erreichen der eigenen Ziele mit Konflikten in wichtigen Beziehungen verbunden wäre. Mit anderen Worten: Sobald eine Person Kompetenzen aktiviert, bringt dies häufig Zwickmühlen mit sich, weil das Aktivieren eigener Kompetenzen unweigerlich Beziehungsauswirkungen (positiv wie negativ) hat. Daher reicht es eben nicht nur aus, Menschen zu unterstützen, gewünschtes Erleben zu aktivieren, sondern es sollte auch ausgearbeitet werden, wie dies unter Berücksichtigung des jeweiligen Umfeldes umgesetzt werden kann.

 

Abschließend

Kompetenzen, Ressourcen, Wertschätzung für die Individualität eines Menschen, selbstwirksames Anstoßen von Veränderungen, Betrachtung von Auswirkungen in relevanten Beziehungen - das sind einige Grundpfeiler der systemischen und hypnosystemischen Therapie, die ich hier gerne ausführen wollte. Vieles mehr gibt es noch dazu zu sagen - aber das greife ich in zukünftigen Beiträgen auf :)


Danke für's Lesen!

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